Frantic – MauMau für Fortgeschrittene

MauMau kennt wohl jeder und wer von uns wurde nicht irgendwann mit UNO „gequält“? Eben! Und dann kommt dann Game Factory mit Frantic um die Ecke und meint, damit der Welt einen Gefallen zu tun?

Denn Frantic ist im Grunde nichts anderes, als eine aufgebohrte UNO-Variante. „Braucht man das?“ – Diese Frage kommt mir als erstes in den Sinn. „Braucht die Welt das?“ – Wohl kaum, oder?

Ganz ehrlich, als ob es in der Welt nicht schon genug Varianten von Spielen gibt, die im Original schon nicht gerade das Optimum darstellen. Dabei stelle ich nicht in Abrede, das UNO z.B. durchaus seine Berechtigung hat … Wenn man mit seinen Kindern war spielen will. Ohne MauMau wäre meine Schulzeit um einiges langweilgier gewesen (und meine Noten vielleicht ein wenig besser). Aber wir haben 20-fucking-18! Ich will Regelmonster haben, ich will Eyecandy, ich will Komplexität bis zur Schmerzgrenze.

 

Für wen also ist Frantic?

Boxartwork von Frantic
Der Kenner erkennt: Frantic kann an auch auf dem Kopf lesen.

Die kurze Antwort lautet: Für mich! Die lange Antwort lautet: Für fast jeden von uns. Denn Frantic ist einfach geil! Ja, klar, im Kern ist es MauMau, da beißt die Maus keinen Faden ab. Aber es ist halt eine bockstarke, unterhaltsame Version von MauMau. Aber auch einfach das bessere, weil unterhaltsamere UNO.

Warum ist Frantic so geil?

 

Wer MauMau beherrscht, kann auch Frantic spielen. Die Einstiegshürde ist also denkbar gering. In der DANN von Frantic ist alles enthalten, was auch UNO zu einem Welterfolg gemacht hat: 4 Farben, man muss „bedienen“ und es gibt Sonderkarten, mit denen man seine Mitspieler ärgern kann. Bis dahin also nichts Neues. Wobei die Sonderkarten sich schon unterscheiden. Natürlich kann man seine Mitspieler Karten ziehen lassen. Aber halt nicht stumpf „Ey, zwei ziehen, Alder!“, sondern man bestimmt beliebig viele Mitspieler, die zusammen 4 Karten ziehen müssen. Mehr Varianz also. Oder, man gibt einem Mitspieler zwei Karten von seiner Hand, muss aber dafür zwei andere von seiner Hand blind ziehen. Wenn man Ziel einer Attacke wird, kann man diese abwehren. Aber nicht auf den Aggressor, sondern auf einen beliebigen Mitspieler. Man darf sich, die entsprechende karte vorausgesetzt, eine Farbe wünschen. Aber auch eine bestimmte Zahl.

Ihr merkt schon, der Teufel steckt im Detail! Aber all das wäre noch kein Grund, Frantic abzufeiern. Es gibt noch ein Detail, aber dies hat es in sich. Es gibt auch noch schwarze Karten. Diese sind nur halb so häufig, wie ihre farbigen Vettern (Je einmal mit den Werten von 1-9 nämlich). Wir alle wissen auch, das Schwarz keine Farbe ist. Also kann man sich auch keine schwarzen Karten wünschen.

 

Wie wird man die schwarzen Karten bei Frantic los?

 

Nun ja, indem man sie über den Zahlenwert abwirft. Schwarze Karten haben also die Tendenz länger auf der Hand zu bleiben. Dafür haben sie auch einen ganz besonderen Effekt! Wenn ein Spieler eine schwarze Karte abwerfen kann, wird eine Ereigniskarte gezogen. Diese bilden einen extra Kartenstapel, bestehend aus 20 unterschiedlichen Ereignissen. Z.B. Kommunismus oder Surprise Party. Kommt z.B. Kommunismus ins Spiel, ziehen alle Spieler solange Karten, bis alle gleichviele auf der Hand haben. Wenn die Surprise Party stattfindet, gibt jeder Spieler eine seiner Handkarten an einen Spieler seiner Wahl.

Diese Ereignisse sind das Salz in der Suppe. Da sie nur relativ selten im Spiel eintreffen (1-2-mal war bei uns so die „Regel“), bringen sie eine schöne Abwechslung ins Spiel. Allerdings ohne dabei allzu schnell zu langweilen.

Ja, dieses Detail macht Frantic zu einem coolen Spiel. Ich wollte es auch nicht glauben! Aber der Impact dieser Ereigniskarten ist einfach nicht zu unterschätzen.

Vor Allem, wenn ein Ereignis zum ersten Mal in Erscheinung tritt, ist das Hallo oftmals groß. Die Anleitung empfiehlt sogar, sich die Ereignisse nicht im vorab schon durchzulesen. Kann ich nur unterstreichen.

Wenn der erste Spieler dann seine Hand leergespielt hat, zählen die Restlichen ihre Punkte und schreiben sich diese als Minuspunkte auf. Nach einer vorher festgelegten Anzahl an Minuspunkten endet das Spiel. Und ihr fangt die nächste Runde an … dies ist zumindest nicht gerade unwahrscheinlich, denn Frantic macht einfach gute Laune.

Witziges Detail noch am Rande: Frantic ist ein schweizer Spiel. In der Schweiz spielt man GEGEN den Uhrzeigersinn, so halt auch Frantic.

Eine typische Hand bei Frantic
So könnte eure Hand bei Frantic ausschauen.

 

Frantic: Ein Fazit!

Ich gestehe es ein: Ich habe Frantic nicht viel zugetraut. Ich bin kein Freund von UNO (Merkt man vermutlich kaum) und MauMau findet sich auch nicht gerade in meiner Topliste der besten Spiele für Zwischendurch. Aber Frantic ist halt was Besonderes. Der Ärgerfaktor ist höher und der Überraschungseffekt einfach großartig. Wenn der sicher geglaubte Sieg durch ein Ereignis sich noch in eine krachende Niederlage wandelt, dann ist das Gejohle groß. Der Eine oder Andere mag diesen Zufallsfaktor abstoßend finden. Aber es bringt halt Würze ins Spiel. Zumal die Ereignisse allesamt lustig sind (Freut euch auf das erste mal Freitag, den 13!)

 

Mit 20€ ist das Spiel jetzt nicht gerade ein Schnapper, aber es ist seinen Preis definitiv wert. Frantic kommt immer wieder gerne auf den Tisch. Oft als Starter, oft als Absacker. Aber vorsicht, man neigt gerne dazu noch eine Runde zu spielen. Dann bleibt weniger Zeit für das ursprünglich geplante Spiel. Oder, wenn es der Absacker sein sollte, könnte sich die Frage stellen: Wo gehen wir jetzt frühstücken? Aber dies ist ein Preis, den man gerne zahlt. Denn Unterhaltung sollte einem das durchaus wert sein!

Frantic – Wenn man mal wieder Spaß haben möchte, von führenden (hüstel) Spielerezensenten empfohlen!