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Heroquest 25th Anniversary Kickstarter und warum ich skeptisch bin

Wohooo…eine neue alte Sau wird zur Zeit durch Kickstarter getrieben und die Sau hört auf den Namen Heroquest 25th Anniversary. Zweifelsohne ist Heroquest DER Urahn sämtlicher Dungeon Crawler Brettspiele und somit historisch mit Sicherheit nicht uninteressant. Das sehe wohl nicht nur ich so, andererseits könnte man sich den Erfolg dieses Kickstarters wohl eher nicht erklären, innerhalb kürzester Zeit war das Ziel vielfach überzeichnet. (Innerhalb von ca. 3 Tagen um ca. das 9-fache). Ich war Feuer und Flamme und gespannt darauf, ob das Spiel in seiner neuen Reinkarnation etwas taugen würde. Denn eins war mir direkt zu Begin schon klar: Das originale Heroquest ist NICHT in Würde gealtert. Klar, der Nostalgiefaktor ist immer noch da, aber regeltechnisch lockt das Spiel niemand hinterm Ofen hervor und neue Fans würde man mit dem alten Regelkern und der alten Optik wohl eher nicht gewinnen können.

OK, die neuen Figuren sind nicht mehr von Games Workshop, sondern von Gamezone aus Spanien, die sich qualitativ in keiner Weise hinter dem Branchenprimus verstecken müssen. Das Spiel wird komplett neue Questen bekommen und natürlich auch komplett neue Figuren. Die Fimir des Originals werden auf keinen Fall auftauchen, da Games Workshop an jenen die Rechte hält. Wobei Rechte bei diesem Kickstarter ja eh ein Sonderfall sind: Der Rechteinhaber der ursprünglichen spanischen Heroquestfassung ist mit an Bord, somit ist das Branding hier legal weiter geführt. Das Copyright erstreckt sich aber weder auf die Figuren, noch auf die Quest (Ersteres liegt bei GW, letzteres bei Hasbro, die vor einigen Jahren MB aufgekauft haben). Spielregeln an sich sind nicht schützbar (jetzt rein vom mechniaschen Regelkern her gesprochen), von der Seite gibt es keine Probleme.

Aber erstens kommt es anders und zweitens als man denkt:

Noch während ich an dem Artikel hier gearbeitet habe, wurde der Kickstarter „on hold“ gestellt, da ein sogenanntes C&D anhängig wurde. Ein Cease & Desist entspricht ungefähr der deutschen Einstweiligen Verfügung. Es wird genutzt, um eine Partei daran zu hindern etwas zu tun, was eigene Rechte verletzen könnte.

Doch nicht Games Workshop (Die sehr gerne mit C&Ds um sich werfen) oder Hasbro haben sich dazu herab gelassen, sondern die eher kleine, aber feine Rollenspielschmiede Moon Design aus den USA. Diese bieten nämlich seit Jahren das HeroQuest Rollenspiel an, eine Art Baukastensystem, aus dem man sich ein Regelgerüst nach eignem Gusto zusammen suchen kann. Geschrieben wurde dieses von der Rollenspiellegende Greg Stafford, der auch seine Weltenschöpfung Glorantha (Ursprünglich für RuneQuest) für HeroQuest umgesetzt hat.

Das Lustige ist, das HeroQuest (Das Rollenspiel) sich nur so nennen kann/darf, weil 2003 die Rechte von Hasbro in den USA an der Marke HeroQuest ausgelaufen sind.

Jedenfalls hat Kickstarter prompt reagiert und das Projekt bis auf weiteres eingestellt. Bis auf weiteres bedeutet in diesem Fall vermutlich solang, bis geklärt ist, ob Moon Design auch die Rechte an einem Brettspiel dieses Namens hält und wie viel Knete Gamezone in diesem Fall an Moon Design überweist. Denn um nichts anderes geht es hier: Knete!

Und damit habe ich galant den Weg zu meinem ursprünglichen Anlass für den Artikel gefunden:

So sieht das Rundum-sorglos Paket zu Heroquest 25th aus...
So sieht das Rundum-sorglos Paket zu Heroquest 25th aus…

Wie bereits oben erwähnt, ging das Ding wie Schmitz Katze und ich war eigentlich total heiß auf das Spiel (Nostalgiefaktor und so, ich mag ja meinen Metal auch am liebsten Old School aus den 80er Jahren). Dennoch hielt ich mich erst mal zurück, weil ich die Art und Weise, wie die Pledges zusammen gestellt worden sind, eher merkwürdig war: Neben einem kleinen Pledge, das nur einige Figuren enthielt, gab es noch das Brettspiel einzeln, das Spiel mit 15 Extrahelden und ein Pledge mit Brettspiel, den Extrahelden und allen Stretchgoals, welches 43 kanadische Dollar teurer war als die Version, in der nur die neuen Helden enthalten sind. Das bedeutet, dass ich schon mal 43 CAN extra zahlen soll, OHNE zu wissen, was ich dafür bekomme. Nun hat es die Vergangenheit gezeigt, dass sich figurenintensive Kickstarter nicht lumpen lassen, was die Menge der Stretchgoals angeht. In diesem Fall jedoch hatte ich schon am ersten Tag das Gefühl, dass es hier wohl anders laufen könnte, denn die ersten 5 Stretchgoals, die sehr schnell fielen, wirkten (nicht nur) auf mich wie Abzocke:

Charakterkarten der enthaltenen Monster (Sorry, so was erachte ich als elementares Spielmaterial, das ist kein Stretchgoal)

Eine Steinkugelfalle (Also wirklich eine Steinkugel aus Plastik ala Indiana Jones, das bekomme selbst ich Modellierlegastheniker aus einem Block Fimo genau so hin)

Blankozauberspruchkarten (Und wieder: So was gehört ins Grundspiel rein)

Ein männlicher Gefangener (Nettes Dekoelement)

Ein weiblicher Gefangener (dito)

 

Das alles ist, sorry, Bullshit. Dazu kam die sehr suboptimale Kommunikation auf der KS-Seite, die man eher als bemüht, aber nicht vorhanden ansehen konnte.

 

Ne, mein Vertrauen in den Kickstarter war eh schon empfindlich gestört, der derzeitige Status Quo gibt der Firma aber die Chance, noch mal alles zu überdenken, das Feedback der Backer zu rekapitulieren und zu schauen, was man beim Neustart besser machen kann/sollte.

 

Sollte da aber keine signifikante Änderung/Verbesserung zu Stande kommen, dann wird dieser Kickstarter ziemlich sicher ohne mich über den Tisch gehen…


One Response to Heroquest 25th Anniversary Kickstarter und warum ich skeptisch bin

  1. Super! Das wird dann definitiv erst mal nicht gekauft. Danke für den kleinen Bericht.

    Gruß,

    Mario – Atlantean Kodex