Imperial Assault Cover

FFG: Star Wars Imperial Assault

Ein Gastreview von André Winter, der auf der diesjährigen SPIEL in Essen Star Wars: Imperial Assault 4 Tage lang dauersupportet hat und daher wohl das Spiel bisher mit am Besten kennen dürfte! Viel Spaß damit!

 

Schuldig!

In beiden Punkten der Anklage.

Ja, ich gebe zu, dass ich Star Wars Fan und Descent-Verweigerer bin!

 

Da drückt man sich erfolgreich jahrelang vor der Anschaffung von Descent, weil man einfach damit nicht warm wird und dann zerbröselt um 1 Uhr in der Nacht die Entscheidung, auch bei der Star Wars-Variante ebenfalls stark zu bleiben.

Doch wie kam es dazu? Meinereiner bekam am Abend, bevor die SPIEL 14 ihre Tore öffnete, das Spiel in die Hände gedrückt, mit dem Auftrag mich einzuarbeiten, um es am nächsten Tag vielen Leuten vorstellen zu können. Oui, mon Général, Auftrag wird erledigt.

Die Box ist descentüblich schön schwer und auch beim ersten Schütteln merkt man schon das da einiges auf einen wartet. Also wird pflichtschuldig die Folie aufgerissen und vier Hefte (Einführung, Referenz-Buch (Alle wichtigen Begriffe leicht zugänglich an einer Stelle? Sowas wünscht man sich öfters!), Missionsbuch und Skirmish-Regeln) springen einem entgegen, dicht gefolgt von einer ganzen Menge Stanzbögen und Tüten voll Karten und Plastik. Die nächste Stunde vergeht erst einmal mit Sortieren, Zusammenstecken und Stanzteile ausdrücken. Wie gesagt, eine ganze Menge Material.

Imperial Assault Imperiale Einsatzkraefte

Das Auge bleibt natürlich sofort bei den Figuren hängen, vor allem bei dem massiven AT-ST. Für ein Brettspiel sind die Figuren erste Sahne und auch so manches Tabletop schielt da neidisch auf diese Figuren. Alle wichtigen Details sind da und nichts ist abgebrochen. Trotzdem sollte man die fliegenden Droiden etwas vorsichtiger lagern, denn wenn man sie lose in die Kiste kippt und ein unzerlegter AT-ST mit ihnen kuschelt, könnte da doch noch was abbrechen.

Imperial Assault die rebellischen HeldenDer AT-ST ist übrigens recht leicht wiederzerlegbar und löst das bei Descent noch vorhandene Problem: „Wie bekomm ich den Oschi wieder in die Kiste“. Der Zusammenbau des Läufers geht bis auf einige wenige Stellen, an denen man einige wenige Gussgrate kurz mit einem Messer oder einer Feile entfernt, recht schnell. Einzig die Doppelkanone an der Schnauze ist etwas schwerer einzustecken, aber ein guter Föhn löst das Problem in wenigen Sekunden. Erwärmen, Reinstecken, Passt! Selbige Methode hilft übrigens auch bei evtl. verbogenen Teilen anderer Miniaturen. Wobei die Miniaturen sehr wenige verbogene Teile aufweisen. Die Miniaturen eignen sich auch recht gut fürs Bemalen und selbst geringer begabte Malkünstler können aus diesen einiges herausholen. Alles in Allem sind die Miniaturen als durchdacht und schön gestaltet anzusehen.

Imperial Assault ATST

Kommen wir zu den Stanzbögen. Auch hier kann man sich nicht beklagen. Es gibt genügend Marker und Bodenplatten, so schnell dürften einem beide nicht ausgehen. Sie passen stimmig zum Thema, sind intelligent designt (Z.B. Konsolen mit verschiedenfarbigen Lichtern auf beiden Seiten, um die Aktivierung anzuzeigen.) und lassen sich im Fall der Bodenplatten gut zusammensetzen. Letztere sind übrigens beidseitig verschieden bedruckt, was die Optionen nochmal erhöht.

Imperial Assault Darth Vader erwartet euch

Nach erfolgreichem Ausdrücken und Zusammenbauen war erst einmal Lektüre angesagt und was das Auge sah, gefiel ihm.

Fangen wir mit dem Einführungsregelwerk an, das eigentlich auch Kernregelwerk genannt werden könnte, denn 90% aller wichtigen Infos sind da drin enthalten. Die restlichen 10% finden sich im Missionsregelwerk und dem Skirmish-Regelwerk, wo sie sinnvoll aufgehoben sind. Das Regelwerk nimmt einen gut bei der Hand und nach etwa einer halben Stunde war ich bereit meinem Zimmerkollegen fachgerecht zu zeigen, was das Imperium mit Rebellenabschaum macht. Wirklich, das Regelwerk ist sehr eingängig geschrieben. Grafische Beispiele an den richtigen Stellen, sauber aufgedröselte Beispiele und kein Überladen des Spielers mit zu vielen Details auf einmal. Kommt man am Ende der Einführung an, stößt man gleich auf die Advanced-Regeln, die aber sehr kompakt gehalten sind. Für die ersten paar Runden sollte man sich aber wirklich auf den Einstiegsteil beschränken, da man so die wichtigen Mechaniken schneller verinnerlicht. Die Advanced-Regeln gehen einem danach dann recht flott ins Blut über, da sie recht logisch die bisher gelernten Regeln ergänzen.

Imperial Assault Regeln

Das Missionsregelwerk enthält 30 Missionen und missionsspezifische Zusatzregeln, was zusammen mit der Mission aus dem Einführungsregelwerk 31 Missionen macht. Daran hat man einige Zeit zu knabbern. Auch hier wurde sauber gearbeitet. Mein einziger Wunsch wäre, die Zahlen für die die Bodenplatten noch etwas deutlicher hervorzuheben, damit man die Bodenpläne noch schneller zusammenbauen kann. Aber da jammere ich schon auf hohem Niveau. Die Missionen steigern sich langsam und was ich bisher davon getestet habe, schien mir recht ausgewogen.

Das Referenzbuch ist genau das, was der Name sagt: Wenn man was nicht weiß, dann blättert man darin rum und findet alphabetisch sortiert darin fast immer die Antwort auf eine Stirnfalte. Saubere Arbeit und unverzichtbar.

Imperial Assault Darth Vader und Kanonenfutter

Das Skirmish-Regelwerk ist ein wenig dünn ausgefallen und behandelt eigentlich nur das Solospiel gegen den Spielleiter. Persönlich hätte ich mir da echte Tabletop-Skirmish-Regeln erhofft, aber es ist zumindest schon mal ein Anfang und als Bonus auf jeden Fall akzeptabel.

Noch zu erwähnen sind die Würfel, die SW-RPG-Spieler verdächtig bekannt vorkommen dürften. Im Grunde eine Mischung aus den Descent- und den RPG-Würfeln, finde ich sie sogar besser als die Descent-Würfel (irgendwie eingängiger) und sie sind in ausreichender Zahl vorhanden.

Um aber an den Anfang zurückzukehren…. Warum hocken ich und mein Wookie… äh, Mitspieler… um 1 Uhr nachts auf unserem Zimmer und haben beide ein fettes Grinsen im Gesicht, dass man nicht einmal mit einer Flex wegbekommen würde?

Imperial Assault Jede Menge Sonderwuerfel

Nun… es macht einfach tierisch Spaß! Und nur die Aussicht, völlig ohne Schlaf einen ganzen Tag über den Erklärbären geben zu müssen, konnte uns vom Spiel losreißen. Aber warum nur?

Zum einen wäre da die gute Umsetzung des Themas. Das Spiel ist nicht einfach nur Descent mit einem Star Wars-Aufkleber, sondern wurde mit Rücksicht auf das SW-Universum verändert… und meiner Meinung nach im Vergleich zu Descent sogar verbessert. Wenig verwunderlich, kommt dem Fernkampf nun eine größere Bedeutung zu und trotzdem spielt der Nahkampf nicht die zweite Geige, was Wookies und Jedis schätzen werden. Ach ja, der Wookie stirbt meist zuerst… Wookies sind halt doch nicht unsterblich. Womit wir beim nächsten Punkt wären. Sowohl Helden als auch Spielleiter haben eine faire Chance das Spiel zu gewinnen, wenn sie sich taktisch klug anstellen. Der Wookie starb übrigens meist nur, weil die Spieler ihn ständig tanken ließen ohne an seine Heilung zu denken. Und bei taktisch klug sind wir bei einem weiteren wichtigen Punkt angekommen. Jeder Kampf fühlt sich wie ein kleines Mini-Tabletop an und ist dementsprechend entscheidend für beide Parteien. Es gibt kein Drive-By-Killing unfähiger Sturmtruppen (Die übrigens recht kompetent die Rebellen zerlegen können, wenn sie gut geführt werden).

Imperial Assault Lets get ready to rumble

Das Spiel bietet im Übrigen eine Menge Karten, die einem mit Hilfsmitteln, Nebenmissionen und Charakterentwicklungsmöglichkeiten eindecken. Der Wiederspielwert ist also ziemlich hoch und durch den höheren taktischeren Anteil wurde mir auch beim 20. Demo in zwei Tagen nicht langweilig, da ich bei jedem Spiel auf die Taktiken meiner Gegner reagieren musste und die ließen sich teilweise einige echte Sauigeleien einfallen (Ich übrigens auch…).

Imperial Assault DIe dunkle Seite der Macht

Als Fazit: Wer bisher einen Bogen um Descent gemacht hat aber doch einen Dungeoncrawler im Regal haben will, sollte sich Imperial Assault genauer ansehen. Für den Rest gilt: Anspielen und lieber schon mal das Sparschwein schlachten. Dieser dunklen Seite der Macht kann man wirklich nur schwer widerstehen.


6 Responses to FFG: Star Wars Imperial Assault

  1. Hi,

    schöner Bericht, Danke! Das Spiel soll anscheinend nächstes Jahr auch in deutscher Sprache erscheinen. Für alle die der Englischen Sprache nicht so mächtig sind. 🙂 Und spätestens da werde ich natürlich auch sofort zugreifen.

    • Das Spiel WIRD nächstes Jahr auch auf deutsch erscheinen und es gibt kaum jemanden, der sich da mehr drauf freut, als meinereiner…

  2. Ist ein genauer Erscheiningstermin für das Spiel auf deutsch bekannt? Bei HEiderberger steht leider nur Q1/2015. Egtl. wollte ich mir ja Descent zulegen, weil ich noch keinen Dungeoncrawler besitze. Aber jetzt wo ich über dieses Spiel gestolpert bin, muss ich es einfach haben. Deine Vorausschau hat mich neugierig gemacht und sowieso bin ich ein reisen Star Wars Fan. Da kann das Descent Universum einfach nicht mithalten 😉

  3. Wobei es sich lohnt auf die deutsche Fassung zu warten, die Textmenge ist nicht grade unerheblich.