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[Article 1716]Pegasus und Shadowrun 5th Edition: Wie man es richtig macht!

Es ist echt unfassbar, wie misstrauisch, missgünstig und miesepetrig die deutsche Rollenspielszene sein kann!

Pegasus, welcher als Spieleverlag  mit Cthulhu und Shadowrun zwei Rollenspielschwergewichte in seinem Portfolio hat, steht momentan ein wenig *hüstel* in der Kritik. Warum? Weil man es gewagt hat, die 5. Edition von Shadowrun zu einem Kampfpreis auf den Markt zu werfen. Für das normale Grundregelwerk, welches annähernd 500 vollfarbige Seiten hat und in ein schickes Hardcover gekleidet ist, werden 20€ aufgerufen. Das ist ein Preis, bei dem es bei anderen Systemen nicht mal einen Abenteuerband gibt. Außerdem gibt es noch eine absolut geile limitierte Edition in Kunstleder und mit Metallbeschlägen an den Ecken für Sammlerfreundliche 50€.

Die limitierte Ausgabe des Grundregelwerkes
Die limitierte Ausgabe des Grundregelwerkes

Das ist schon totaler Irrsinn, ein solcher Preis und jeder Fan von Rollenspielen sollte einfach mal zuschlagen, weil man gute Ideen unterstützen sollte. Denn dies ist eine gute Idee: Auf diese Art und Weise kommen nämlich viele, viele Grundregelwerke in den Markt. Umsteiger freuen sich, weil der Umstieg günstig ist. Einsteiger freuen sich, ob der geringen Investitionshürde und Sammler freuen sich eh, weil ihnen das Sammeln zumindest finanziell nicht allzu schwer gemacht wird. Ist doch toll, oder?

Ne, anscheinend nicht, denn es werden Stimmen laut, verschiedene Stimmen, sowohl in den Rollenspielforen, als auch auf den Rollenspielblogs unserer schönen, vernetzten Welt:

Entweder ist man der Meinung, das sich der Preis überhaupt nicht rechnen kann und Pegasus damit finanziellen Selbstmord begeht oder man geht davon aus, das der Preis sich durchaus rechnet, man also in der Vergangenheit beschissen wurde, weil man früher für Grundregelwerke ja ca. 40€ verlangt hat, das kann ja nur Abzocke gewesen sein.

Da hier vor allem die Unkenntnis den Federkiel führt, mal ein paar Anmerkungen hierzu, die weder auf gefährlichem Halbwissen, noch auf Polemik basieren:

Natürlich ist es möglich, ein solches Regelwerk zu dem Preis in die Läden zu wuchten, wenn man damit vor allgemeine Marktdurchdringung erreichen will. D.h. im Umkehrschluss halt auch, dass man auf seine gewöhnlichen Gewinnmargen (größtenteils) verzichtet und das Ganze vor allem als Werbemaßnahme versteht. (OK, ein wenig muss ich auch an der Stelle Vermutungen anstellen: Ich kann mir gut vorstellen das Pegasus für das Grundregelwerk einen speziellen Deal mit Catalyst hat, durch welchen eventuell eben NICHT die regulären Lizenzkosten abzuführen sind…aber das ist wie gesagt, eine reine Vermutung)

Warum sollte man das machen? Na, ganz klar: Je mehr Grundspiele unterwegs sind, dest0 mehr Spieler gibt es auch im Endeffekt. Natürlich ist nicht jedes GRW gleich ein Spieler, aber jeder 5. Oder 10. Wird schon neu bei diesem Spiel landen. Ob das nun ein kompletter Neuling ist oder jemand, der von einem anderen System her hinüber wechselt, kann/muss Pegasus erst mal egal sein, wir ihnen auch egal sein.

Neue Spieler bedeutet aber auch, dass mehr Erweiterungen verkauft werden. Diese werden dann aller Voraussicht nach normal kalkuliert werden. Also sieht Pegasus das Shadowrun-Grundregelwerk als eine Investition in die Zukunft, was vollkommen legitim ist.

Kommen wir zu dem Teil der Möchtegernbetroffenen, der sich seit Jahren von Pegasus und allen anderen Verlagen betrogen fühlt, weil diese ja viel zu viel Geld für ihre Produkte verlangt haben. Ne, haben sie nicht. Sie haben die Grundregelwerke einfach so kalkuliert, das diese sich selber getragen haben. Zum einen bitte ich zu bedenken, dass nicht jedes System derartig viele Zusatzbände bekommen kann, da man nur mit jenen in die Gewinnzone geraten kann. Zum anderen ist es vollkommen legitim, wenn man seine Produkte so kalkuliert, das sie sich tragen und sogar Gewinn abwerfen. Da Abzocke zu schreien, ist schon recht weit drüber. Vermutlich sind dies die selben Weltverbesserer, die ansonsten immer rumblöken, dass die deutschen Rollenspielverlage ihre Autoren/Lektoren/Grafiker so mies bezahlen.

Es ist nun mal ein trauriges Fakt, das man mit Rollenspiel in Deutschland kein Geld machen kann, jedenfalls nicht, wenn man ein State of the Art Top Produkt bringen möchte, das allen Qualitätswünschen der Leserschaft gerecht wird.

Ich jedenfalls finde es toll, das Pegasus mal versucht, einen neuen Weg zu gehen und drücke ihnen die Daumen, das es sich für sie rechnet. Ich selber werde wohl niemals wieder Shadowrun spielen, habe mir dennoch die limitierte Fassung „gegönnt“, einfach, weil die saumäßig gut ausschaut. Aber wer weiß, vielleicht kommt beim durchblättern und lesen doch wieder die Lust zurück, sich in die Schatten zu begeben…


3 Responses to [Article 1716]Pegasus und Shadowrun 5th Edition: Wie man es richtig macht!

  1. Ich gebe zu, dass ich – obgleich Shadowrun nie mein Ding war – alleine wegen des guten Aussehens und des unfassbar verlockenden Preises mit der Anschaffung eines Grundregelwerkes liebäugele. Hätte ich nicht schon eine der Kaufpreissumme entsprechende Knolle meiner Stadt für vermeintliches Falschparken eingefangen, läge das Buch heute schon neben mir.

    Finde es gut, dass Du klar pro Stellung zum Buch und seinem Preis beziehst.

    Es war schon immer meine Rede, dass es der Tod eines Systems ist, wenn entweder, Grundregelwerke ständig nicht verfügbar sind (Battletech Intro Box lässt schön grüßen!) oder der Einstieg ins System mit einem finanziellen Sprung verbunden wäre, den Gelegenheits- und Neuspieler einfach schwer oder garnicht machen wollen bzw. können.

  2. Ich denke durch den Preis ist es auch den Editionsverweigerern, von denen es viele gibt, leicht den Umstieg attraktiver zu machen.
    Ich wusste zB. garnichts von diesem Preis, und hab mir noch 4te Grundregelwerk geholt (kurz vor der Messe) weil mein ganzer Bekanntenkreis noch 4 Spielt und ich noch nie SR hatte und die 4te letztens erst kennengelernt hatte und die neue (nWoD) würfelmechanik mit fester zielzahl, mich überzeugt hat.

    Wäre mein Bekanntenkreis nicht so festgefahren/SR hier aktiver, hätt ich auch in die 5 investiert. vllt kommt das ja nächstes Jahr noch bei mir.
    In jedem Fall stimme ich Dir aber zu!

  3. Die These, dass diesmal einfach ein paar tausend Exemplare mehr produziert wurden, um den Einzelpreis so auch ohne Verlust und ohne frueheren “Beschiss” halten zu koennen, lese ich jetzt nirgendwo raus. Ich als Verlag wuerde das auf jeden Fall so machen, wenn ich dadurch pro Grundregelwerk etwa 20 Euro Produktionskosten einsparen koennte.

    Die Alternative waere wie bei Konsolen die “Hardwaresubvention” – aber das sehen wir wohl erst bei den Erweiterungen…