Nachruf auf Scott Columbus (Manowar)

Die mehr als schmerzhaften Verluste der letzten 12 Monate (Dio, Steele, Moore und viel zu viele andere) noch gut im Gedächtnis haben einen (für mich) traurigen neuen Höhepunkt gefunden. Am Dienstag, dem 5.4.2011, schaltete ich morgens meinen PC ein und checkte meine Mails und meinen Facebookaccount…was ich da sah, konnte und durfte nicht wahr sein. Scott Columbus sei angeblich einen Tag vorher gestorben…aber das war nur eine Facebookmeldung, dann kann ja jeder schreiben, was man will, das musste eine Ente sein.
Aber je weiter der Tag fortschritt, desto mehr wurde es Gewissheit und als Scotts Freundin die Nachricht offiziell bestätigte, war es Gewissheit.
Scott Columbus ist im Alter von gerade mal 54 Jahren von uns gegangen. Die Umstände seines Todes sind bisher ungeklärt, eine Äußerung seiner Freundin jedoch weißt darauf hin, dass Scott seinem Leben selber ein Ende setzte.

Scott Columbus war sehr intensiv an meiner musikalischen Sozialisierung beteiligt. Wie die meisten Leuten hier wissen, ist MANOWAR für mir weit mehr als nur eine Band, es ist meine Religion, das Zentrum meines musikalischen Interesses und die Band, die ich immer und immer wieder anhören kann. Ich habe und werde diese Band musikalisch immer verteidigen, zwischen mir und dieser Band passt kein Jota. Scott war ein unabdingbarer Teil dieser Band, er ist an Alben beteiligt, die ich als Liturgien meines Lebens bezeichnen möchte.
Ich hatte das Vergnügen, Scott mehrfach in meinem Leben zutreffen und zu sprechen, es waren jedes Mal Begegnungen, die sichim meinem Gedächtnis festgesetzt haben.
Nie werde ich mein erstes MANOWAR-Konzert vergessen, Stunden vor dem Gig (Im Rahmen der Kings Of Metal Tour) lungerten Freunde und ich um die „Halle“ herum (Es war ein ausrangiertes Zirkuszelt, das Blue Moon in Oberhausen), in der Hoffnung eventuell Autogramme zu ergattern (Ich war jung und stand noch auf so was). Tatsächlich konnten wir Joey sehen, den wir Dank Jogginghose und Zopf allerdings eher am Tattoo als an seiner Ausstrahlung erkannten. Auf die Frage, ob er auf unseren Kutten unterschreiben würde, holte er uns in den Open Air-Backstagebereich, weil er meinte, das wenn, nur die ganze Band unterschreiben würde. Wir folgten ihm zum Bandbus, wo er anklopfte und die anderen Member aufforderte, nach draußen zu kommen, weil hier Fans warten würden. Scott kam als Letzter raus, zählte kurz durch, verschwand wieder im Bus und kam mit einem Arm voller Bierdosen zurück, um mit uns, den Fans, anzustoßen. Werde ich nie vergessen, eine kleine Geste, aber ab dem Moment wusste ich das die angebliche Fanfreundlichleit der Band eben nicht nur ein Gerücht war.
Auch viele Male danach, wenn ich Scott traf, sei es bei Autogrammstunden oder bei Interviews, war er immer freundlich, aufmerksam und ein amüsanter Gesprächspartner, der das Herz auf dem rechten Fleck hatte.
Dass er die Band verlassen hat, spielte keine Rolle, denn er war immer und wird immer der Warlord sein, der Mann, der die Drums of Doom gespielt hat.
Seine technischen Fähigkeiten waren vielleicht nicht die allergrößten, aber Scott war jemand, der immer Songdienlich gespielt hat, der einen Song nach vorne peitschen konnte und in dem engen Korsett, das ihm der Soundkosmos MANOWAR vorgab, sein bestmöglichstes getan hat.

Scott, nichts ist vergessen, nichts wird je vergessen sein, dein Platz in meinem Herzen ist für die Ewigkeit. Du bist nicht von uns gegangen, nur vor uns!

Rest in peace, brother of true heavy metal, the Warlord, the drummer of doom! Your heart beats no more, but your beats live forever…


One Response to Nachruf auf Scott Columbus (Manowar)

  1. …bin gerade über deinen Artikel gestolpert, der mich mal wieder recht traurig gemacht hat.
    Als eingefleischter Manowar Fan hatte ich die große Ehre, dass Joey DeMaio mich eines Abends zuhause anrief
    (klingt schräg, ist aber wahr und eine längere Geschichte). Fortan habe ich Manowar persönlich kennengelernt
    und war häufiger backstage, wo ich auch Scott kennengelernt hatte.
    Scott ist mir von allen Manowars am liebsten…ein unglaublig liebenswerter, zurückhaltender Charakter mit dem
    Herzen am rechten Fleck.

    Als ich von seinem Tod erfuhr, brach für mich eine kleine Welt zusammen.

    „R“eturn „I“f „P“ossible , Brother \m/